Schmerzen, Schwindel und Tinitus: Was Nackenverspannungen auslösen können

Plötzlich schwankt der Boden unter den Füßen und die Umgebung dreht sich. Wer an Schwindel leidet, fühlt sich unsicher auf den Beinen oder muss sich sogar festhalten, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Spätestens wenn es dann noch in den Ohren pfeift oder brummt, ist ein Besuch beim Arzt erforderlich.

Als erstens gehen die Betroffenen dann meistens zum Hals-Nasen-Ohrenarzt und zum Neurologen. Dort ist allerdings ist bei vielen Patientinnen und Patienten keine Ursache feststellbar. Die Ursachen von Schwindel und Tinitus können nämlich vielseitig sein.

Unterschätzt wird häufig die Rolle der Halswirbelsäule und der umgebenden Nackenmuskulatur. Selbst wenn der Nacken nicht sonderlich schmerzt, ist hier oft die Ursache zu finden. Wie Nackenverspannungen, Schwindel und Tinitus zusammenhängen und welche Behandlungsmethoden es beim HWS-Syndrom gibt, erfahren Sie hier.

Das HWS-Syndrom

Der Begriff HWS-Syndrom beschreibt im allgemeinen den schmerzhaften Nacken mit Verspannungen. Allerdings können diese Symptome auch sehr unterschwellig sei, so dass die betroffenen Persosnen hierdurch keine wesentlichen Beschwerden beschreiben.

Häufig ist dies der Fall bei Personen, die einen sitzenden Arbeitslatz haben. Die fehlende Bewegung der Muskulatur im Hals-Kopfbereich führt Muskelverspannungen und Muskelverkürzungen.

Oft verspüren die Betroffen aber ziehende bis reißende Schmerzen und eine gewisse Steifigkeit im Nacken. Übungen und Bewegungen bessern meistens die Beschwerden.

copyright: staras via Adobe stock
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Und wie kommt es dann zu Schwindel und Tinitus?

Die Nackenmuskulatur kommt von der oberen Brust- und Halswirbelsäule und setzt am Hinterkopf und seitlich am Schädelknochen an. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist das Felsenbein. In den seitlich liegenden Felsenbeinen befinden sich jeweils das Innenohr mit dem Gleichgewichtsorganen.

Obwohl eine dicke Knochenschicht zwischen den Muskeln und den Gleichgewichtsorganen liegt, zeigt sich doch häufig ein Schwindel durch ein chronisches HWS-Syndrom.

Andere diskutierte Ursachen sind die Nervenkompression durch die verspannten Muskeln. Die Muskeln an der Halswirbelsäule können sich so stark verspannen, dass sie auf die Nerven drücken, die aus der HWS austreten. Diese Nerven werden dadurch irritiert und senden falsche Signale über die Lage des Kopfes an das Gleichgewichtszentrum.

Das Gehirn kann nun die unterschiedlichen Informationen über die Kopfhaltung, die es von Augen, Ohren und HWS-Nerven erhält, nicht richtig interpretieren. Es reagiert mit Schwindel.

Aber auch die Einengung der Arteria vertebralis können durch die Muskulatur irritiert werden. Zusammen mit den großen Halsgefäßen versorgen die Vertbralarterien das Gehirn mit Blut. Werden die Arterien nur leicht abgedrückt, kann dies bereits zu Schwankungen in der Sauerstoffversorgung führen. Darauf reagiert das Gehirn mit Schwindelgefühlen.

Menschen mit HWS-bedingtem Schwindel und Tinitus berichten oft über eine Verstärkung der Beschwerden durch Stress oder Anspannung.

Der Schwindel äußert sich meist in einem Schwankschwindel. Dabei berichten die Betroffenen, dass der Boden zur Seite schwanken würde, ähnlich dem Schwindelgefühl bei Trunkenheit oder auf einem Boot. Daraus resultieren eine leichte Gangunsicherheit und ein gestörtes Lagegefühl im Raum.

Schätzungsweise ist das HWS-Syndrom bei 40 % aller Schwindel-Fälle die Ursache.

Andere Symptome des HWS-Syndroms

Das HWS-Syndrom jedoch kann nicht nur Schwindel und Tinitus auslösen. sowie auslösen. Oft berichten Betroffene auch von Kopfschmerzen bis hin zu Sehstörungen, Übelkeit und Atemnot.

Häufig aber auch auch Schulterschmerzen, die in den Arm ausstrahlen. Manchmal mit Kribbeln bzw. Taubheitsgefühlen in den Händen. Die Beschwerden können dabei einem Bandscheibenvorfall sehr ähnlich erscheinen.

Zudem ist häufig die Beweglichkeit des Halses und Kopfes eingeschränkt. Vor allem die Drehung des Kopfes, um nach schräg hinten zu sehen, fällt schwerer.

Ursachen des HWS-Syndroms

Die starken Nackenverspannungen die Schmerzen und Schwindel auslösen, haben verschiedene Ursachen:

Fehlhaltung

Eine sehr häufige Ursache ist die Fehlhaltung mit Vorneige des Kopfes. Die enststeht typischerweise beim Arbeiten am Schreibtisch, Autofahren oder Nutzen des Smartphones. Die eigentliche Haltemuskulatur arbeitet nicht richtig, und andere Muskeln versuchen die Kopfhaltung zu übernehmen, Daducrch kommt es im Verlauf zu Verkürzungen und Überlastungen verschiedenener Muskeln. Man spricht hier von einer funktionellen Ursache, die meist gut auf eine Physiotherapie anspricht.

Typische Fehlhaltung der Wirbeläule bei viel Bildschirmarbeitszeit und Abnutzung der Zwischenwirbelgelenke
Typische Entstehung einer Fehlhaltung der Halswirbelsäule. Ursache sind oft eine dauerhaft nach vorn geneigte Kopfhaltung z.B. durch lange Arbeitszeit am Bildschirm oder intensive Handynutzung und zunehmende Abnutzung der kleinen Wirbelgelenke. Copyright: cliparea.com via Adobe Stock

Verschleisserscheinungen der HWS

Die Schmerzen können auch eine degenerative Ursache haben. Im laufe des Lebens entwickelt sich häufi g eine Arthrose der kleinen Wirbelgelenke, die Banscheiben degenerieren. Dadurch wird insgesamt die Beweglichkeit der Halswirbelsäule reduziert. Die fehlende bzw. ungleiche Bewegung der Halsmuskeln kann zu Verspannungen und Funktionsstörungen führen.

Unfallbedingt

Plötzliche ruckartige Muskelanspannungen oder Zerrungen an der Halsmuskulatur können z. B. durch einen Unfall ausgelöst werden. Typischerweise ist das der Aufprall beim Auffahrunfall mit dem Auto. Dieses Schleudertrauma kann noch lange nach dem Geschehen anhalten und sogar Schwindel auslösen.

Andere Ursachem von unklarem Schwindel

Die Ursachen von Schwindel sind sehr vielfältig. Obwohl häufig ein HWS-Syndrom Ursache ist, müssen alle anderen Ursachen unbedingt angeklärt werden.

Neben einer gründlichen orthopädischen Untersuchung ist bei unklarem Schwindel daher auch die Vorstellung bei anderen ärztlichen Fachrichtungen notwendig. Nackenverspannungen können nämlich auch auftreten, ohne tatsächlich die Ursache für den Schwindel zu sein.

Mögliche Ursachen für Schwindel

  • Bandscheibenvorfall / Spinalkanalstenose in der Halswirbelsäule
  • Einengungen im Gehirn, z. B. durch einen Tumor
  • Sauerstoffmangel
  • Veränderungen des Blutes und seiner Sauerstoffträger (auch Eisenmangel)
  • Nervenschäden
  • Erkrankungen des Innenohrs
  • Herz- oder Gefäßprobleme, z. B. Arteriosklerose
  • Knöcherne Veränderungen oder Weichgewebsveränderungen im Nacken-Schädel-Bereich

Wie soll man sich bei Schwindel verhalten?

Sollte der Schwindel oder der Tinitus weder in einer neurologischen und HNO-ärztlichen Untersuchung eine Ursache aufweisen , ist es sehr wahrscheinlich, dass die Hals- und Nackenmuskulatur das Problem ist.

Dann sollte eine orthopädische Vorstellung erfolgen und ein mögliches HWS-Syndrom abgeklärt werden.

In diesem Fall bedarf es einer gründlichen körperlichen Untersuchung. Ein ergänzendes MRT zum Auschluss eines strukturellen Schadens der Halswirbelsäule ist notwendig.

WICHTIG: Bei Schwindel und Tinitus sind neurologische und ohrenärztliche Untersuchungen vor einer orthopädischen Behandlung unbedingt erforderlich!

Behandlungsmöglichkeiten von Schwindel bei HWS-Syndrom

Bei der Behandlung des HWS -Syndroms ist eine konservative Therapie nötig und meistens sehr erfolgreich. Meist ist in Abhängigkeit der Schwere der Beschwerden eine Kombination aus verschiedenen Ansätzen erforderlich.

Der HWS-Schwindel ist in der Regel gut therapierbar und kann durch die gezielte Behandlung komplett beseitigt werden. Wenn es sich also tatsächlich um das HWS-Syndrom handelt, lässt es sich in wenigen Sitzungen – manchmal bereits in einer einzigen – wirksam lösen.

Gute Erfolge bei HWS-Schwindel lassen sich durch manuelle Therapie erzielen. Dabei ertastet der Arzt die Muskelverspannungen und Blockaden an der Halswirbelsäule auf – und löst sie mit einem gezielten Griff. Daraufhin können die Muskeln sich entspannen und der Schwindels lässt nach. Schon nach einer Sitzung reduzieren sich die Beschwerden spürbar.

Aber auch die Akupunktur (TCM) und speziell die Triggerpunktakupunktur kann dabei helfen, die Verspannungen im Nacken zu lösen. Entspannt sich die Muskulatur, verschwinden damit meist auch der Schwindel und weitere Symptome wie Tinnitus.

Die Neuraltherapie greift gezielt in die Regulationskreislaufe ein und ist daher auch bei Schwindel und muskulären Verspannungen sehr effektiv.

Eine unterstützende Therapie sind Wärmebehandlungen. Die Wärme fördert die Durchblutung der Muskeln und führt so zur Entspannung der Muskulatur und schließlich zur Linderung der Nackenschmerzen und Nebenerscheinungen.

Werden die Muskelverspannungen durch Stress augelöst oder verstärkt, ist eine psychotherapeutische Mitbehandlung sinnvoll.

Sind Sie auf der Suche nach einem erfahrenen Orthopäden oder wünschen eine individuelle Beratung bei Nackenschmerzen und Schwindel? Dann nehmen Sie gern hier Kontakt zu unserer orthopädischen Privatpraxis in Berlin-Zehlendorf auf.